Asbest

Asbesthaltige Baustoffe

Unter der Bezeichnung Asbest werden natürlich vorkommende, faserförmige Minerale zusammengefasst, die auf Grund ihrer besonderen Eigenschaften in vielen bauchemischen Produkten eingesetzt wurden, zum Beispiel in Farben, Spachtelmassen, Klebern, Dichtungen, Bremsbeläge etc. Eine der wohl bekanntesten Anwendung sind Platten aus Asbestzement als Dach- oder Fassadeneindeckungen.

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Die Asbestminerale besitzen unter anderem eine hohe Beständigkeit gegenüber Hitze, Chemikalien und Verwitterung, sie sind elastisch, zugfest, nicht brennbar und sehr langlebig. Allerdings geht von asbesthaltigen Materialien bei einer Freisetzung von sehr kleinen, lungengängigen Asbestfasern eine Gefährdung für den Menschen aus. Die Aufnahme von Asbeststäuben über die Atemwege kann Lungenkrebs oder ein Mesotheliom (Tumor des Lungen- oder Bauchfells) hervorrufen. Asbest ist daher als krebserzeugender Gefahrstoff in die Kategorie 1A eingestuft. Bei Tätigkeiten mit asbesthaltigen Materialien sind Schutzmaßnahmen zu treffen und sie dürfen nur durch sachkundige Personen ausgeführt werden. Der Umgang mit Asbest ist in der Technischen Regel für Gefahrenstoffe (TRGS) 519 geregelt.

Schwachgebundene Asbestprodukte

Für die Bewertung von asbesthaltigen Baustoffen wird zwischen schwach- und festgebundenen Asbestprodukten unterschieden. Schwachgebundene asbesthaltige Produkte besitzen in der Regel einen hohen Asbestanteil und eine geringere Faserbindung.

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Daher ergibt sich ein hohes Faserfreisetzungspotenzial, welches schon bei vergleichsweise geringer Bearbeitung, zu erheblichen Freisetzungen von Asbestfasern führen kann. Derartige Produkte müssen hinsichtlich ihrer Sanierungsdringlichkeit bewertet werden. Produkte im schlechten Zustand müssen ausgebaut werden.

Asbesthaltige Schnüren als Abdichtung einer Rohrleitung

Asbesthaltige Schnüren als Abdichtung einer Rohrleitung

Asbesthaltige Leichtbauplatte an der Unterseite einer Dachbodenklappe

Asbesthaltige Leichtbauplatte an der Unterseite einer Dachbodenklappe

Asbestzementprodukte

Es handelt sich um zementgebundene Produkte mit einem Asbestanteil von in der Regel weniger als 15 Gewichtsprozent. Sie gelten als sogenannte festgebundene Asbestprodukte mit einem vergleichsweise geringeren Faserfreisetzungspotenzial.

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Der mit Abstand größte Anteil der Asbestimporte in die BRD wurde zur Herstellung von Asbestzementprodukten verwendet. Daher handelt es sich hierbei um die bekanntesten Asbestanwendungen. Umgangssprachlich werden auch Herstellerbezeichnungen wie Eternit synonym verwendet. Typische Asbestzementanwendungen stellen Dachwellplatten, Fassadenschindeln, Lüftungskanäle, Fensterbänke oder Blumenkästen dar. Bei intakten Produkten ist nicht mit einer Freisetzung von Asbestfasern zu rechnen. Eine Faserfreisetzung ist an mechanische Bearbeitungen wie Trennschneiden (Flexen), Fräsen, Schleifen oder Bohren etc. gebunden.

Dachwellplatten aus Asbestzement

Dachwellplatten aus Asbestzement

Asbesthaltige Leichtbauplatte an der Unterseite einer Dachbodenklappe

Fassadenverkleidung aus Asbestzement

Sonstige Asbestmaterialien

Unter den sonstigen Asbestprodukten werden solche zusammengefasst, die nicht als schwachgebunden und nicht als Asbestzement eingestuft werden (siehe oben). Hierbei handelt es sich um eine Vielzahl Produkten, die mit Asbestfasern versehen wurden.

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In der Regel wurde den Produkten nur ein geringer Asbestanteil von wenigen Gewichtsprozenten beigemischt. Das Faserfreisetzungspotenzial für intakte Produkte wird auf Grund des niedrigen Asbestanteils und der Bindung der Asbestfasern im Produkt als gering eingeschätzt. Derartige Produkte werden daher ebenfalls als festgebunden eingestuft. Unter anderem sind asbesthaltige Putze-Spachtelmassen-Fliesenkleber (PSF), Bodenbeläge, Estriche, Kleber, Kitte, Dichtmassen, Bitumenbahnen etc. bekannt. Eine weitere bauteilspezifische Auflistung findet sich im Anschluss.

Typische Asbestanwendungen im Hochbau

Grundsätzlich können für Gebäude mit einem Baujahr vor 1995 Asbestanwendungen nicht ausgeschlossen werden. Eine Einstufung der Materialien ist nur bei sehr wenigen Produkten durch eine Sichtprüfung möglich, eine abschließende Bewertung ist in der Regel nur mit Hilfe von Probenahmen und anschließender Laboranalytik möglich. Für mehr als 3.000 bauchemischen Produkte sind Asbestanwendungen bekannt. Die nachfolgende Auflistung stellt eine Auswahl typischer Asbestanwendungen im Hochbau dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Fußboden

Generell können alle älteren Bodenbeläge, (z. B. Linoleum, PVC, Cushioned Vinyl, Stragula), Kleber und Ausgleichsmassen Asbest enthalten. Eine weitverbreitete Asbestanwendung stellen s. g. Floor-Flex-Platte oder Vinyl-Asbest-Platten mit schwarzem Kleber dar. Die asbesthaltigen Platten wurden in verschiedenen Farbvarianten hergestellt und mit einem ebenfalls asbesthaltigen schwarzen Bitumenkleber verlegt.

Asbesthaltige Floor-Flex-Platten mit asbesthaltigem, schwarzem Kleber

Asbesthaltige Floor-Flex-Platten mit asbesthaltigem, schwarzem Kleber

Besonders kritisch sind ältere Cushioned Vinyl Beläge, die einen asbesthaltigen Papprücken besitzen, da es sich bei den Rücken um ein schwachgebundenes Asbestprodukt handelt. Im Papprücken ist in der Regel hoher Asbestanteil bei vergleichsweise geringer Bindung vorhanden. Die Sanierungsdringlichkeit ist mithilfe der Asbestrichtlinie zu bewerten (siehe oben).

Gelbbrauner Cushioned Vinyl Belag mit asbesthaltigem Papprücken

Gelbbrauner Cushioned Vinyl Belag mit asbesthaltigem Papprücken

Im Altbau können als Ausgleichsschicht auf Holzdielen s. g. Internitplatten verbaut sein. Hierbei handelt es sich um asbesthaltige, beige Holzfaserplatten, welche geklebt oder genagelt verlegt wurden. Bei geklebten Platten kann der Kleber ebenfalls asbesthaltig sein.

Beige Internitplatten als Ausgleichschicht auf Holzdielen verlegt

Beige Internitplatten als Ausgleichschicht auf Holzdielen verlegt

Als weitere, möglicherweise asbesthaltige Bodenaufbauten sind Magnesia-, bzw. Steinholzestriche oder Asphaltestriche bekannt. Zudem wurden asbesthaltige Abdichtungen unterhalb von Estrichen verbaut. Im Wohnungsbau sind die Estriche in der Regel mit Bodenbelägen überdeckt, so dass nicht mit Freisetzungen von Asbestfasern zu rechnen ist.

Beiger Steinholzestrich

Beiger Steinholzestrich

Wände

Putz, Spachtelmassen, Fliesenkleber (PSF): Wand- und Deckenbeläge auf massiven Bauteilen, insbesondere Farb- und Spachtelschichten können Asbest enthalten. Gleiches gilt für Spachtelschichten an Stoßfugen von Leichtbauwänden und -decken. Ältere Fliesen die im so genannten Dünnbettverfahren verlegt sind, können mit asbesthaltigen Fliesenklebern befestigt sein.

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Konrad SBH/ Diskussionspapier

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Massivwand mit asbesthaltigen, weißen Spachtelstellen

Massivwand mit asbesthaltigen, weißen Spachtelstellen

Asbesthaltiger Fliesenkleber mit typischen Kammspachtelmuster

Asbesthaltiger Fliesenkleber mit typischen Kammspachtelmuster

Betonbauteile

Für ältere Betonbauteile ist die Verwendung asbesthaltiger Materialien wie Abstandshalter, Mauerstärken oder verlorener Schalungen bekannt. Hier können Asbestzementprodukte verbaut worden sein. Da es sich in der Regel um überdeckt eingebaute Materialien handelt, ist eine Erkundung vor Rückbau mit enormen Unsicherheiten versehen.

Betonwand mit asbesthaltiger Hülse (Mauerstärke)

Betonwand mit asbesthaltiger Hülse (Mauerstärke)

Beton mit verlorener Schalung aus Asbestzementplatten (mit Gewebemuster)

Beton mit verlorener Schalung aus Asbestzementplatten (mit Gewebemuster)

Fenster und Türen

Glaserkitte, Scheibendichtmassen, Laibungsdichtmassen können Asbest enthalten. In älteren Gebäuden finden sich zudem häufig Fensterbänke aus Asbestzement, diese lassen sich häufig per Augenschein einstufen. Asbestzementplatten wurden auch häufig als Blindfenster in größeren Fensterfronten eingebaut.

In Altbauten können unterhalb von Holzfensterbänken Asbestpappen verbaut sein. Bei den Pappen handelt es sich in der Regel um schwachgebundene Asbestprodukte, deren Sanierungsdringlichkeit mithilfe der Asbestrichtlinie zu bewerten ist.

Alte Technik- oder Brandschutztüren besitzen in der Regel im Bereich des Schlosses asbesthaltige Pappen zur Unterstützung der Feuerfestigkeit.

Fensterbank aus Asbestzement

Fensterbank aus Asbestzement

Beton mit verlorener Schalung aus Asbestzementplatten (mit Gewebemuster)

Asbestpappe an der Unterseite einer Fensterbank

Beton mit verlorener Schalung aus Asbestzementplatten (mit Gewebemuster)

Weiße Asbestpappe im Schlossbereich einer Techniktür

Haustechnik

Altbestände an Flachdichtungen (Flansche), Rippenheizkörpern, Aufzugsanlagen, Brandschutzklappen u. a. können asbesthaltiges Material enthalten (Dichtungen, Bremsbeläge, u. a.), sie werden in der Regel pauschal als asbesthaltig eingestuft. Zudem wurden in der Vergangenheit Lüftungsschächte und Abwasserrohre aus Asbestzementformteilen verbaut.

Asbesthaltige Flachdichtung in einer Flanschverbindung

Asbesthaltige Flachdichtung in einer Flanschverbindung

Rötliche, asbesthaltige Dichtung an einem Rippenheizkörper

rötliche, asbesthaltige Dichtung an einem Rippenheizkörper

Innenansicht einer Brandschutzklappe mit asbesthaltigem Klappenblatt (hellgrau an Bildunterseite) und grauer Anschlagdichtung (Litaflex)

Innenansicht einer Brandschutzklappe mit asbesthaltigem Klappenblatt (hellgrau an Bildunterseite) und grauer Anschlagdichtung (Litaflex)

Lüftungskanäle Asbestzementformteilen

Lüftungskanäle Asbestzementformteilen

Fassade

Die häufigsten Asbestanwendungen im Fassadenbereich stellen Schindeln oder größerformatige Platten aus Asbestzement dar. Eine Reinigung von intakten und beschichteten Asbestzementplatten ist zulässig, während eine Reinigung von unbeschichteten Asbestzementplatten verboten ist. Des Weiteren können Fassaden mit Beschichtungen/ Farbanstrichen versehen sein, die Asbest enthalten. Gleiches gilt für Bauteilfugen, diese können mit asbesthaltigen Fugendichtmassen gefüllt sein.

Fassadenverkleidung aus Asbestzement

Fassadenverkleidung aus Asbestzement

Dach

Eine der wohl bekanntesten Asbestanwendungen stellen Dacheindeckungen aus Asbestzement-Wellplatten dar. Diese werden umgangssprachlich auch als Eternit-Platten bezeichnet. Alte Platten lassen in der Regel per Augenschein einstufen. Sie wurden sehr häufig bei größeren Hallen oder Garagen verbaut, sind aber auch auf Wohnhäusern zu finden.

Des Weiteren wurde Asbest in Dachbahnen (Bitumen- oder Teerbahnen) und alten Korkdämmungen verwendet. Im Gegensatz zu den Asbestzementplatten kann per Sichtkontrolle keine Einstufung vorgenommen werden. Diese erfolgt ausschließlich über eine Materialanalyse.

Dachwellplatten aus Asbestzement

Dachwellplatten aus Asbestzement